Raek Nah
Es
war im Mai. Das kleine Dorf war in Vorbereitung zum
traditionellen Raek Nah Festes. Wie kann man in aller
Herrgotts Fruehe schon so aktiv sein? Die Maenner des Dorfes
bastelten bunte lange Raketen. Das geheimnisvolle und
strenggehuetete Pulvergemisch wurde in kleinen 40 cm blauen
Plastikwasserrohren gefuellt, die anschliessend mit
Klebeband vorne und hinten verschlossen wurden. Als
Zuendschnur diente, heute Zweck entfremdet, ein zum duennen
Zopf gedrehter weisser Garnม
der sonst ums Haus gewickelt wurde. Auch diese Zuendschnur
wurde mit einer geheimnisvollen spezielle Fluessigkeit
gedraenkt. Die Maenner selber nahmen als spezialfluessigkeit
Bier. Es war ein rechtes Die Jungs vom Dorf halfen alle
fleissig mit. Sie laengten duenne Bambusrohre in ca. 2,50 m
ab. Es wurde peinlichst darauf geachtet das der durchmesser
nicht mehr als 2 cm hat. Je duenner desto besser. Der
Ortsvorsteher hatte nur eine kontrollfunktion. Jeder
Feuerwerkskoerper wurde von ihm Fachmaennisch untersucht.
Ich durfte, was sonst nicht ueblich war und mich ein wenig
erstaunte, nicht helfen. Der Ortsvorsteher erklaerte mir das
diese Arbeit nur von Auserwaehlten gemacht werden durfte.
Dies Tradition wurde vom Vater an dem Sohne weitergegeben.
So
schlenderte ich zu den Frauen und Maedchen. Diese Gruppe
bereiteten verschiedene Speisen fuer das Fest vor. Reis
wurde gekocht, Fischstueckchen wurden auf kleine
Holzspiesschen gesteckt. Huehnerfluegel die sich nicht so
leicht aufspiessen liessen, wurden mir von der Frau des
Dorfvorstehers gereicht. Hier war ich eine willkommene
Hilfe. Obst und Gemuese wurden in Koerben fachfraulich
verstaut. Alles drehte sich um das Fest. Mit einem mei
dschep, mei dschep wurde ich besaenftigt, wenn sich ein
Holzspiesschen anstatt des Huehnerflueges meinen Finger
aussuchte.
Der
Dorfplatz wurde nun als Verladestelle genutzt. Pick- Ups die
wie auf Kommando heranrollten, wurden vom Ortsvorsteher mit
sicherer Hand in Hauseinfahrten gelotst. Alles hatte in
diesem Chaos seine Ordnung. Ladeflaechen fuellten sich.
Zuerst kamen die kleinen Grillkuebeln rauf. Danach Obst
Gemuese und Reis. Die Fisch, Schweine und Huehnchenspiese
wurden in Kuehlboxen die vorher mit Eis gefuellt wurden
gegeben. Diese Kuehlboxen sowie die Getraenke kamen auf
einen eigenen Pick-Up, der nun voll war. Die Raketen und
Bambusstangen auf einen mit Blumen geschmueckten Pick-Up,
der als einziger mit einer Plane abgedeckt wurde. Und ich,
ich stand und war nur neugierig. Nun hiess es aufsitzen. Im
nu waren die Autos mit jung und alt uebervoll. Ich wurde mit
dem Ortsvorsteher auf den Speisewagen verfrachtet damit
dieser Wagen mit Geschaeftsglueck gesegnet werde.
Los
ging's mit Motorenlaerm und Hundegebell. Dieselwolken
huellten den Marktplatz, der vom einsetzenden Regen in ein
Schlammfeld verwandelt wurde, ein. Das tat der lustigen
Stimmung jedoch keinen Abbruch. Der Regen wuerde nicht
lange anhalten, wurde mir vom lautbruellenden Ortsvorsteher
mitgeteilt. Jedes Jahr wuerde es zu diesem Feste am Morgen
Regnen. Eine halbe Stunde spaeter wusste ich, er hatte
recht.
Wir
fuhren auf einer schmalen Menschenleere Strasse. Einige
kleine Huetten die hinter riesigen Baeumen leicht
hervorschauten, zeugten das diese Gegend bewohnt war. Dann
kamen sie, die vielen Pick Ups, Motorbikes und
Garkuechenschieber. Aus jedem noch so kleinen Feldweg
stroemten Menschen zu Fuss und mit dem Fahrrad zu zweit oder
zu dritt darauf. Der breite Schotterweg vor uns war
ueberfuellt. Rush Hour im Isaan. Die Kolonne, die sich nun
im Schritttempo vorwaerts bewegte, fuehrte uns auf eine
riesige Wiese die in einer Senke auftauchte.
An
drei Seiten diese Wiese parkten Fahrzeuge. Garkuechen wurden
aufgebaut, Luftballonverkaeufer fanden auch den Weg hierher.
Und ich, ich genoss es als "Farang" betitelt,
bestaunt wurde. Die Maenner waren alle auf der Linken Seite
der Wiese. Frauen und Kinder nahmen die anderen Plaetze ein.
Ploetzlich wurde es Geschaeftig. Die Maenner holten ihre
Raketen von den Ladeflaechen. Die Raketen wurden auf die
Bambusstangen geschnuert. Die Bambusstangen selbst wurden
mit langen verschiedenen Farbbaendern gekennzeichnet. Da kam
meine Wissbegierde zum vorschein. Langsam aber sicher
bewegte ich mich auf die Maenner zu. Langsam deswegen, da
ich nicht wusste ob es erlaubt war. Es war erlaubt, denn ich
wurde von vielen mir unbekannten Maennern umringt.
In
der schoensten Isaansprache wurde ich gebeten doch die
Raketen zu beruehren. Ich hab noch nie so viele
Feuerwerkskoerper beruerht wie am diesen Tage. Meine
Schulter wurde,wie nie zuvor und danach durch das
Dankesklopfen, arg strapaziert.
Dann kam der Ortsvorsteher vom Dorf. Er zog mich einfach weg und sagte zu den Gruppen das ich zu seinem Dorf gehoere. Ich war ploetzlich einer von ihnen.
Die
Maenner von den verschiedenen Doerfern wetteten
gegeneinander welche Rakete am hoechsten in den Himmel
steige. Ich verstand nun, warum die langen Farbbaendern die
Bambusstaebe zierten. An denen wurde festgestellt welche von
den Doerfern am hoechsten war. Wie? Ganz einfach. Die
spaeter zurueck kam musste wohl am hoechsten gewesen sein
und die Farbbaender zeigten den Besitzer an. Ich ging zu den
Frauen. Da schien es lustiger zuzugehen. Die Kinder liessen
die bunten Ballons steigen. Einige Kinder sammelten die
Raketen die nicht in den Himmel stiegen, sondern den
horizontalen Weg suchten, ein. Die Frau des Ortsvorstehers
winkte mich ran. Sie fragte mich ob ich nicht die
Huehnerfluegel grillen moechte. Sie sei der Meinung das es
dann zu einem besseren Geschaeft wuerde. Es wurde ein
besseres Geschaeft. Die hungrigen wollten die nun vom Farang
gegrillten Spiesschen. Kinder und auch Erwachsene schauten
mir beim grillen zu. Es ist schon so eine Sache mit dem
Grillen. Der Rauch stieg mir immer in die Augen. Ich tanzte
um den Grillkuebel, der Rauch folgte mir. Dann sagte jemand:
"Ein Farang der den Regentanz macht, das muss eine gute
Ernte werden."
Geschichten
* Moenchsjahre * Die Reise geht weiter * Ban Bueng